Der neue Blütenweg – wunderbar wanderbar

Der neu konzipierte Panoramaweg entlang der Bergstraße bietet dem Wanderer einen reizvollen Dialog mit der Landschaft – Blütenweg-Einweihung am 23. und 24. April

Erste Etappe: Laudenbach – Weinheim

Im Frühjahr 2015 wurde eine neue Wege¬führung für den allseits bekannten Blütenweg an der Bergstraße angekündigt. Blütenreich¬tum, Burgen, malerische alte Ortskerne – was sollte da neu sein? Die Wanderfreunde sind neugierig. Los geht es – beispielsweise - am Friedhof der Weinbaugemeinde Laudenbach. Nach kurzem Anstieg ist der neue Blütenweg erreicht, der sich als Panoramaweg fast höhengleich oberhalb Laudenbach und Hemsbach den Hang entlang zieht. Der neue Blütenweg bietet im Teilabschnitt von Laudenbach bis Dossenheim eine nun neun Kilometer längere attraktive Wegstrecke, auf anderen, teils unbekannten aber umso schöneren Wegen: raus aus den Ortschaften in die freie Landschaft, viele Aussichtspunkte, lange blütenreiche Abschnitte, schmale Pfade, Gras- und Hohlwege, Böschungen, Hang¬terrassen, Trockenmauern und Felsabsätze. Große bemooste Steine längs des Wegs sind wahre Kunstwerke. Es sind oft Wege mit urigem Charakter. Schon nach unserer ersten Etappe von Laudenbach nach Weinheim ist klar: Viel versprochen, viel eingelöst. Besonders imponiert der schöne Blick in die Rheinebene und auf die Pfälzer Berge. Die Mandel- und Hasel¬bäume blühten in diesem Jahr vorwitzig schon im Februar, unglaublich und schön, der Frühling erwacht. Dank der nährstoffreichen Lössböden bietet die „blühende Bergstraße“ schon im Frühjahr wahre Blütenteppiche von Buschwindröschen und Lerchensporn. Laudenbach, Hemsbach, Weinheim, Hirsch¬berg, Schriesheim und Dossenheim haben sich im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) „Blühende Badische Bergstraße“ zusammengeschlossen, um die einzigartige Landschaft der Bergstraße zu bewahren. Das Engagement ist unübersehbar. Immer wieder stößt der Wanderer auf Flächen, die vor kurzem noch Gestrüpp waren und nun wieder in Pflege sind, wie zum Beispiel Weinbergsbrachen am Taubenberg. Gerade im Laudenbacher Abschnitt des neuen Blütenwegs gibt es viele Trockenmauern zu sehen, die zum Teil erst jüngst durch Rückschnitt von Efeu wieder zum Vorschein gebracht worden sind.

Schon 1645 rühmte Merian in seiner „Topographia Palatinatus Rheni“ die Berg¬straße mit „auserlesenem Wein“ und „den schönsten Obstgärten“. Prominente wie Kaiser Joseph II. (1765-1790) oder US-Präsident Thomas Jefferson (1743-1826), verglichen die Bergstraße mit Italien. Auch Kleist und Goethe bewunderten die Landschaft.

Den Namen „Blühende Bergstraße“ hat sie übrigens der traditionell hohen Dichte von Obstbäumen zu verdanken, um deren Erhalt und Erneuerung man sich im Rahmen des ILEK bemüht. Dass in Hemsbach im letzten Jahr wieder eine Apfelannahmestelle eröffnet wurde und damit Streuobstwiesen gesichert und gefördert werden, trägt dazu bei. Dann liegt dem Wanderer die Weinstadt Hemsbach zu Füßen. Sehenswert: Burg und Schloss (heute Rathaus). Schmale Wege und Pfade führen weiter nach Süden über Alteberg, Eichbachhöhe und vorbei am alten Steinbruch nach Sulzbach. Sonnenbänke mit schönen Ausblicken laden zum Verweilen ein. Auch hier wurden bereits etliche Flächen wieder entbuscht und einer Beweidung oder Folgepflege zugeführt. Schon alleine das Wissen, dass es hier noch artenreiche Wiesen mit Orchideen und Enzian gibt, erfreut das Herz. Weidenkätzchen blühen schon eine Weile, aber zur Hauptblütezeit der Magerrasen, Wiesen und Lössboschungen ist es besonders üppig. Bei Weinheimer Weiler Nächstenbach durchquert man ein Naturschutzgebiet mit einem alten majestätischen Buchenbestand und schönen Wiesen. Bienen schwirren um die rosa und weiß blühenden Mandelbäume. Die nächsten Stationen sind Böppelbachbrunnen, Hubberg und die Hütte an der Rentnereiche mit herrlichen Ausblicken auf Weinheims Altstadt und zwei Burgen.

Zweite Etappe: Weinheim – Dossenheim

Nach einem Anstieg durch den geheimnisvollen alten Friedhof St. Peter bietet der Blütenweg ab dem Bergsattel bei der Ruine Windeck zwei Varianten an: Der östliche Zweig führt – mit attraktiven Blickbeziehungen zur Ruine Windeck – über Frühlingsweg, Müllheimer Tal und Romantischen Weg durch den Ostteil des Exotenwalds mit seinen Mammut- und Lebensbäumen zur historischen Zinkgräfbank. Der westliche Zweig führt über den Burgpfad ins historische Gerberviertel und weiter über Altstadt, Schlosspark und Judenbuckel zur Zinkgräfbank. Vom Burgpfad hat man einen besonders attraktiven Blick auf die Weinheimer Altstadt, vom Judenbuckel, der gerade im Rahmen des ILEK wieder in Pflege genommen wurde, einen weiten Blick in die Ebene. Ab der Zinkgräfbank (benannt nach dem Heimatforscher und Stadtrat Karl Zinkgräf (1873-1939) verläuft der Blütenweg über Stephansberg, Dornbach und Häuselberg nach Lützelsachsen. Hier hat der örtliche Obst- und Gartenbauverein die Neuanlage eines Obstlehrpfads mit alten Sorten am Blütenweg begonnen. Der folgende Abschnitt bis Hohensachsen wartet mit besonders typischen Merkmalen der Bergstraßenlandschaft und weiten Ausblicken in die Ebene auf. In der Ortslage fallen uns schöne Vorgärten und altes Fachwerk ins Auge. Aussichtsreich geht es auch auf dem neuen Wegeabschnitt oberhalb der Ortslage Großsachsen weiter, wo sich im Norden der Melibokus als höchster Berg der Bergstraße aus der Szenerie hervorhebt. Ein kurzer Wegeabschnitt östlich von Großsachsen ist gerade im Bau und wird in Kürze fertiggestellt sein. Er mündet am ehemaligen Bergwerk „Maria Hülf“. Weiter geht es über die „Zimmermann´s Hohl“, einen sehr beeindruckenden historischen Hohlweg, zum Marbacher Hof oberhalb von Großsachsen. Über bislang wenig begangene Wege durch abgeschiedene Ecken mit Weideland gelangt derWanderer zum Wanderparkplatz Kehrrang in Leutershausen. Ein Abstecher zur Ruine Hirschburg in Richtung „Schanzenköpfle“ lohnt.

Nach einer schönen Wanderung entlang der Waldrandzone markiert ein imposanter Mammutbaum den Schriesheimer Madonnenberg, wo Magerwiesen mit beeindruckenden Weinbergsmauern seltenen Pflanzen und Tieren wie Zauneidechse und Schlingnatter Lebensraum bieten. Weiter geht es in engen verwinkelten Wegen und Gassen durch die Altstadt Schriesheims. Viele Lokalitäten im Ort laden zum Verweilen ein. Über der Stadt thront die Strahlenburg, der Blütenweg führt hinauf. Dann führt der Blütenweg als herrlicher Panoramaweg durch die Weinberge gen Süden.

Früher hatte der Bereich um Schriesheim und Dossenheim landwirtschaftlich eine sehr hohe Bedeutung vor allem für den Anbau von Frühkirschen, die bis nach Hannover, Holland und England exportiert wurden. Mit einer großen Aktion zur Kirschsortenbestimmung in 2015 wurde nach alten Lokalsorten aus jenen Zeiten gefahndet, die als verschollen galten. Auch heute noch verwandelt die Obstblüte im Frühling die Bergstraße in ein zauberhaftes Farbkonzert. Im „Mergel“ wurde der Blütenweg im Rah¬men einer ILEK-Aktion attraktiver gestaltet. Weiter nach Süden folgt ein besonders uriger Abschnitt (die Einheimischen nennen ihn scherzhaft „Tunnel“), in dem sich der Blüten¬weg als Pfad durch wärmeliebende Gebüsche mit teilweise mediterranem Flair windet. Wir erreichen nun Dossenheim, das im Jahr 2016 seine 1250-Jahr-Feiern begeht. Hier blieb der schon heute attraktive Verlauf des Blütenwegs unverändert. Nördlich von Dossenheim führt er durch eine sehr klein¬teilige Bilderbuchlandschaft mit terrassierten Weinbergen und Gärten und einer Fülle von Trockenmauern. Auch hier setzte man im Herbst 2015 im Rahmen eines Land¬schaftspflegetages mit der Freistellung von Trockenmauern an. Sowohl die „Schauenburg“ als auch der Quarzporphyr-Steinbruch „Leferenz“ (Geotop 2009) sind lohnende Abstecher. Im Abschnitt südlich von Dossenheim lädt der Blütenweg zum Wandern und Spazieren durch vielseitige Gärten in Richtung Heidelberg ein. Der neu konzipierte Blütenweg bietet viele schätzenswerte Möglichkeiten: Durch Querverbindungen ist er sinnvoll mit dem Burgensteig zu einem Netz verbunden, was reizvolle Rundtouren und den Wechsel zwischen beiden Wegen ermöglicht. Schön auch: Wer will, kann jederzeit den Landschaftsgenuss zugunsten von kulinarischen Freuden in den Ortschaften unterbrechen und anschließend seinen Weg fortsetzen. Wanderer werden die Tour sicher wiederholen – sicher im Herbst, um das Farbspiel von Rot, Gelb und Braun zu genießen.

Sieglinde Dittmar-Loos, Marjolein Kok, Rainer Loos

Tipp: Als Wanderkarte ist zu empfehlen: Entlang der Bergstraße von Darmstadt bis Heidelberg, Meki GmbH. Maßstab 1-30.000. Stand 5/2015. ISBN 9-783931-273705. Preis 9 Euro.

Info: Blütenwegfest am 23./24. April

Wandern in der Frühlingsblüte, dabei die Projekte zum Erhalt der Landschaft kennenlernen, unterwegs die Vielfalt an kulinarischen Leckereien probieren, die an der Badischen Bergstraße gedeihen - die.

Das alles ist möglich bei der Einweihung des neu konzipierten Blütenweges entlang der Bergstraße am Wochenende 23. und 24. April. Die offizielle Einweihung des Blütenwegs findet am Sonntag, 24. April, 11 Uhr im Rahmen einer gemeinsamen Begehung des Teilabschnitts von Großsachsen bis zum Wanderparkplatz Kehrrang bei Leutershausen statt. Am Samstag, 23. April laden Laudenbach, Hemsbach und Weinheim in den Nordteil des ILEK-Gebietes ein (14 Uhr bis 17 Uhr). Am Sonntag, 24. April, gestalten Hirschberg, Schriesheim und Dossenheim das Programm (11 Uhr bis 16 Uhr). An Ständen und bei Führungen werden gibt es Infos zur Natur, der Landschaft und der Geschichte der Bergstraße. Musiker sorgen für Stimmung an Raststationen und auf dem Weg. Für Kinder wird ein aufregendes Programm geboten. Und schließlich gibt es bei einem Quiz tolle Preise zu gewinnen (ein exklusiver Rangertag, Gratisflüge, Eintrittskarten, Gutscheine und mehr).

Detaillierte Informationen zum Programm der beiden Veranstaltungstage auf der ILEK-Internetseite: www.ilek-bergstrasse.de/bluetenwegfest/

 

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